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Autorin Kristine Fratz im Interview

Kristine Fratz im Interview

Der Zauber von Zeitgeist:
Wo steht die Gesellschaft nach Corona und was wollen Frauen über 50 morgen?

Im Gespräch mit Kirstine Fratz
24.09.2021

Wie funktioniert eigentlich Zeitgeist und warum trägt er zu einem gelungenen Leben bei? Das weiß niemand besser als die Zeitgeistforscherin Kirstine Fratz. Die Autorin, 48 Jahre, erläutert im Interview, was Zeitgeist kann, wie sich die Gesellschaft durch die Pandemie im Wandel befindet und warum die sogenannte „Generation Wow“ entspannt in die Zukunft blicken kann.

Frau Fratz, Ihre Berufsbezeichnung lautet „Zeitgeistforscherin“.
Wie genau definieren Sie „Zeitgeist“ und warum ist er gesellschaftlich wichtig?

Die Definition, die ich für mich gefunden habe, lautet: Zeitgeist ist ein temporäres Versprechen für ein gelingendes Leben. Er ist wirklich einer der kreativsten und auch mächtigsten Intelligenzen, die wir in unserer Kultur so haben. Er schafft es, auch in relativ kurzer Zeit unser Denken, Handeln und Fühlen zu verändern.

Was ist jetzt gerade besonders „zeitgeistig“?

Momentan erleben wir eine Art Neu-Verbindungszeitgeist, wo vieles, was jahrelang getrennt wurde, wieder zusammenstrebt: Männer und Frauen, Arbeit und Freizeit. Also Bereiche, die über Jahrhunderte fein säuberlich voneinander getrennt wurden. Dieser neue Zeitgeist beantwortet sehr viele Sehnsüchte, weil es den Menschen darum geht, sich wieder ganz fühlen zu wollen.

Wie genau erfasst man diese Strömungen?

Das Wichtigste an dieser Forschung ist, dass man aufhört, alles direkt zu bewerten. Sondern anfängt zu staunen, was da Neues in die Welt kommen möchte. Es gibt einen wunderschönen Ausspruch von Bob Igor, dem CEO von Disney: "Pessimismus inspiriert nicht." Und wenn man wertet, ist es schwer, aus einem Zeitgeistphänomen eine Inspiration herauszuziehen.

Inwiefern wird sich Ihrer Meinung nach die Pandemie auf unseren Zeitgeist auswirken?

Die Leute haben sich jahrelang an alle Regeln gehalten, ihre Kredite abbezahlt, Unternehmen aufgebaut, die Kinder zur Schule gebracht, Sport gemacht. Und auf einmal ist das gute Leben auf so vielen Ebenen verrutscht. Pläne gehen nicht mehr auf. Und da frage ich mich: Kommen jetzt die echten Sehnsüchte zum Vorschein? Ich bin sicher, dass sich viele Menschen während der Pandemie gefragt haben: Wer bin ich eigentlich? Und was will ich?

Frauen über 50 stellen sich ja oft ähnliche Fragen, wenn die Kinder aus dem Haus sind.
Wie würden Sie diese sogenannte „Generation Wow“ charakterisieren?

Diesen Frauen ist es ziemlich egal, was die Gesellschaft über sie denkt. Sie sind stark, sehen gut aus, stehen mitten im Leben und kreieren einen neuen Status von Frauen über 50. Sie entsprechen keineswegs mehr irgendwelchen alten Vorstellungen.

Sind diese Frauen glücklicher, weil sie ihre Individualität ausleben können?

Ich glaube schon. Sich individuell wahrnehmen zu können, ist das Wichtigste überhaupt. Viele Frauen in meinem Bekanntenkreis blicken auch auf ihr Leben zurück und sind von sich selbst begeistert, was sie geschaffen haben. Die sind über so viele Hürden drüber und daran gewachsen.

Worauf achtet die „Generation Wow“ in puncto Fashion?

Mode ist diesen Frauen generell wichtig, sie sind ja alles andere als unsichtbar. Ich würde sagen, dass sie sich gut kennen. Und sie haben einen hohen Anspruch, dass die Leute, die für sie Kleider herstellen, sich die Mühe machen, sich ebenfalls mit ihnen auseinanderzusetzen. Dazu habe ich eine schöne Geschichte: Eine ältere Dame wollte sich kürzlich eine Sonnenbrille kaufen. Die Verkäuferin riet ihr zu einer Brille von Gucci. Worauf die Kundin sagte: "Ich kaufe von niemandem eine Sonnenbrille, der keine Kleidung in meiner Größe hat."

Blicken wir nochmal in die Glaskugel, wo werden sich diese Frauen in 20 Jahren befinden?

Das hängt natürlich ein bisschen von ihrem Wohlstand ab. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Frauen sich zunehmend mit Aktien beschäftigen. Und Selfcare ist ihnen wichtig, sie lassen es sich gut gehen, sie bleiben im Wachsen. Ihr Motto könnte lauten: "Es ist nicht vorbei, bevor’s vorbei ist." Schauen Sie sich zum Beispiel Jane Fonda an, die zeigt sich als über 80-Jährige noch als Unternehmerin, spielt in einer erfolgreichen TV-Serie mit und geht regelmäßig auf "Fridays for Future"-Demos. Davon hätte vor 50 Jahren niemand zu träumen gewagt. Und doch ist es passiert – das ist der Zauber von Zeitgeist.
Das Buch vom Zeitgeist: Kristine Fratz im Interview

Über die Autorin

Kirstine Fratz absolvierte ihr Studium der Kulturwissenschaft und -anthropologie in Bremen, bevor sie über ein Praktikum bei dem renommierten Trendforscher Peter Wippermann im Trendbüro Hamburg zu ihrer Profession fand: dem Blick auf Neues, in die Zukunft. Die Hamburgerin berät Marken wie Gucci, Escada, Dolce & Gabbana, Unternehmen wie Beiersdorf und Unilever sowie diverse politische Institutionen.

"Das Buch vom Zeitgeist. Und wie er uns vorantreibt" (Fontis Verlag) erschien Anfang 2021 bereits in zweiter Auflage.
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